wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
bei nem Volk, das sich selten wirklich distanziert hat
& Täter & Helfer weiter protegiert hat
mit dem Argument"war ja sonst keiner da
um ne Demokratieaufzubauen, nicht wahr"
natürlich nur unterder Hand, andrerseits
ist es niemand gewesenwen wundert's, daß weit
in die 50er, 60er70er Jahre
die Braunen in Ämtern& Würden & klare
Verhältnisse nirgendwo herrschten, stattdessen
die Töchter & Söhnedie Preitsche zu fressen
bekamen, die eigentlich den Vätern gebührte
für Nicht-Wissen-Wollen & mangelnde Härte
mit Geisteskomplizen der größten Verbrechen
an Menschen, die jemals ein Land sich erlaubt hat
so jenseits von allem & so unvorstellbar, daß
die Welt danach nicht mehr die Welt von vorher war
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
denn falls es je eines Beweises bedurft hat
wie dünn diese Schicht von Zivilisation ist
& wie degeneriert diese Bestie sein kann
die darunter lauert - dann gehört er den Deutschen
beispiellos nicht nur im Ausmaß & darin
in wie kurzer Zeit man das schaffte & wie maschi-
nell & wie reibungslos die funktionierten
die retrospektiv nur Befehle ausführten
beispiellos auch in der Grundlosigkeit
jenseits von Interessen wie Profit oder Gier
nach Land, nach Ressourcen nach Rache, nach Geld
der Boden ist weg, wo selbst sowas noch fehlt
namenlos böse die Normalität
die Luft des Verbrechens der niemand entging
schamlos offiziell erwünscht & gefragt
daß die Sprache gefriert & das Denken versagt
banaler & kälter als jede Maschine
vom Fertigungsband bis zur Guilliotine
debiler als Nero verrückter als Mullahs
perverser als christliche Inquisitoren
verdorbener als Blut werden kann & gewollter
als alle Verbrechen der Amerikaner
rücksichtsloser als jeder Kolonialismus
den die Welt je gesehn hat & jeder Zynismus
perfekter als Stalin verfluchter als jede
Versklavung im Namen verdrehter Geschichte
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
da gibt's leider gar nichts zu relativieren
& keinen Vergleich schon gar nicht mit Tieren
da hilft kein Gerede von Ethik & Pflicht
bis zum Hinweis auf andere auch DAS geht halt nicht
denn alles, was man dazu sagen kann
ist mindestens hart an der Grenze von
erneuter Beleidigung nachträglich,
man kann's fühlen wie ne Art Messerstich
& wer darauf noch stolz ist dem ist nicht zu helfen
der gehörte zurück zu Schakalen & Wölfen
zurück in das Dunkel teutonischer Wälder
in den Schlamm & Morast blutgieriger Götter
dahin, wo ihr geliebter Führer, die Ratte
sie ohnehin schließlich zurückgebombt hätte
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
von der Gnade der späten Geburt, als wär'n alle
nur Opfer gewesen & tragische Fälle
Tatsachen mißachtend & vor allem solche
die Bosheit beweisen und gerade die deutsche
das waren keine Rühmanns in ner bösen Zwickmühle
& auch nicht nur einer stell dir vor: sogar viele
wie groß ist der Aufschrei 50 Jahre später
wenn jemand DAS wagt zu behaupten, noch immer
was so offensichtlich & so auf der Hand liegt
da stellt sich die Frage wer was hier zurechtbiegt
& was diese neue Identität wert ist
wenn das alte Gespenst auch nur halb mit am Start ist
wie lang, wie lang
tu ich mir das noch an
& ich hör es schon schallen zurück aus dem Wald
von LaßMichInRuh bis zu DichMachIchKalt
dazwischen dann: schließlich seien WIR auf der Welt
eins der sichersten Länder & wem's nicht gefällt
der muß ja nicht bleiben & AB an den Rand
WirSindWiederWer & auch das ist bekannt
& JA, der Japaner schläft auch nicht, das Biest
Moral ist daneben, wenn die Kohle nicht fließt
ja, Kapitalismus ist transnational
was sich nicht verkauft das bemerkt man nicht mal
doch was die Welt dann ganz bestimmt nicht vermißt
ist ein Deutscher, der stolz auf sein Vaterland ist
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
wenn Nationalismus ganz allgemein schon
der letzte Halt ist für den Hurensohn
& für die, die sich nichts bessres vorstellen können
ein Ersatz für all das was die andern nicht gönnen
um wieviel mehr gilt das dann für ein Land
das sich so wie die Deutschen die Finger verbrannt
hat an dieser Art von Ideen & Zielen
getragen von dumpfesten Herdengefühlen &
wem soll das nützen außer denen, die
sich an Armseligkeit dämlich verdienen
einen Einzelverbrecher den steckt man ins Loch
einen Staat, der dasselbe tut, feiert man noch
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
& ich stand vor ner Wand & ich kam da nicht weiter
wo anläßlich von Pogromen wie Hoyerswerda
sich ex-radikal-linke Gegner von Nazis
offen anfingen, zu fragen was an der Heimat so falsch ist
als wüßt man's nicht besser ah, nur keine Scheu
wo Zeugen noch leben & zuhören dabei
als ging es um Heimat & nicht um n Trick
zur Verschleierung ner Kehrtwende & Wahlpolitik
ja, denk drüber nach doch bloß nicht zu viel
schon gar nicht von hier bis nach Israel
am besten, du ziehst dir einen Sack ins Gesicht &
dann tu einfach so, als bemerkt man dich nicht
wie lang, wie lang
tu ich mir das noch an
ja, ich dachte ne zeitlang so ähnlich wie du
all das wär vorbei solang man nur zu
viel Beachtung vermiede & sich schon
von alleine erledigen durch Isolation,
doch das Klima ist rechts jetzt & mancherorts kann
man als Teenie seinen Sarg schon bestellen, nur wenn
man auch halblaut nur sagt daß man Nazis nicht mag
wo leben wir eigentlich du Pfeife, & sag
mir jetzt bloß nicht, das sei nur Protest oder Kult
gegen Alt-68. ja die seien sogar schuld, &
daß die sich ähnlicher seien als man denkt, ja
haben diese Lehrer denn jemals als Gang mit
einem, der am Boden lag noch Baseball gespielt, oder
auf die sozial Allerschwächsten gezielt,
aus besoffener Mordlustam hellichten Tag
jetzt komm mir nicht damit"weil keiner sie mag"
stattdessen im Rücken ein Publikum, dessen Beifall sie
sicher sind wenn auch stumm, & wo ist diese Lobby, die
heimlich sich freut & weiterhin dafür sorgt
daß sogar heute noch Täter horrende Pensionen beziehen,
deren Opfer von damals fast leer ausgehen &
wem kommt das NICHT vor wie doppelter Hohn &
wie kann man stolz auf die Generation
seiner Großväter sein wenn der Preis dafür ist
daß man Auschwitz ja geradezu abstreiten MUSS & wie
kann man das leben & wie kommt man da raus,
es sei denn, im Vollsuff, tag- ein & tagaus,
oh wiesehr ich mir wünschte der Song hier wär Müll
& ich hätte von vorne bis hinten das Ziel &
das Thema verfehlt & die Realität,
wie schön das doch wär doch so, wie es steht,
wil ich auch nicht im Büßerhemd rumlaufen müssen
für die Sünden von anderen & deren Gewissen
& michdamit belasten, still zu akzeptieren,
was die in die schlimmste der Höllen mitführen
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
wer sich weigert zu sehen was er angestellt hat
& zwar bis auf den Grund der hat nicht nur versagt
der verdammt sich auch selbst zu Repetition,
sein Schatten verdeckt eine Geisternation
er belastet sein Erbe mit ner Hypothek
die Generationen noch nach ihm den Weg &
die Aussicht versperren auf ne Zukunft, in der
man ne klarere Luft atmen könnt als bisher
er beleidigt den Geist & zerstört das Vertrauen
von Kindern & kann auf Vergebung nicht bauen
ja, falls es dafür überhaupt eine gibt
verflucht wird er sein für das, was er liebt
wie lang, wie lang
hör ich mir das noch an
& du fragst, wo ich herkomm & wer ich denn sei
so zu reden, ach laß es Gedanken sind Brei
sofern man sich fast die Zunge verbrennt
indem man einfach nur noch einmal benennt
was dazu geführt hat daß dies schöne Land
der Welt nicht grad für seine Milde bekannt
& daß es auch nicht ganz dasselbe ist
wie bei anderen, wenn es die Flagge hißt
& du sagst, es ist einfach sagst, es ist leicht
zu verurteilen, wenn man doch selber vielleicht
nicht gewußt hätte, was man denn tun soll,
ja kann sein, doch dann nähm ichden Mund nicht so voll,
dennwas ist so schlimm wie die Lebenslügen
von Greisen, die weltweit zur Grundüberzeugung von
jüngeren werden, mitsamt ihrem Gift,
das selbst als Export noch den Rest übertrifft
an Ressentiments, die es vorher schon gab
es ist in der Welt wie ein offenes Grab &
was einmal passiert ist - das weiß man - geschieht
schon beim zweiten Mal leichter frag jeden Killer
wie lang, wie lang
tu ich mir das noch an
oh, die Schwäche, zu hassen doch je mehr ich dort seh
desto finsterer wird es bis ich mich wegdreh
& redet man drüber lädt man es fast ein
& ich weiß, was ich sag & ich seh, was ich mein
denn das Gift überträgt sich & schwemmt alles fort
ich kann mir nicht helfen: Gedanken an Mord
belagern mein vielleicht naives Gemüt, so-
bald es sich nähert, so- bald es mich sieht
& das ist das seltsame vielleicht der Kern
es ist nicht zu lösen durch Herz oder Stirn
man kann sich nur abwenden irgendwann,
vor Ekel ? vor Abscheu ? ich weiß es nicht, Mann
& so such ich nach Wörtern & dreh mich im Kreis
& fasse zusammen solang, bis ich weiß
daß alles, was so durch die Gegend hier schwirrt
zu ner Waffe gegen diese Krake dort wird
denn ne Krake, das ist es auch & zwar eine, die
sich halb räkelnd, halb schlafend noch
mit ihren stumpfen Tentakeln den Boden ab-
tastet, auf dem sie gern bald wieder aufwachen
würde mit ihrem beschissenen Kater, ein Auge entstellt
so undefinierbar wie das Loch in der Welt
das sie hinterließ gar nicht so lang her
& jetzt blinzelt sie träg in den Morgen vor ihr -
& so, um das alles
ein für allemal
hier für mich zu beenden mit dem deutschnational:
ich hoff, daß sie sterben, und zwar möglichst bald
ihr Hirn soll verrotten an seinem eigenen Gehalt
und zwar unterwegs, in nem Zug, auf ner Reise
zurück in der Zeit & ans Ende der Gleise
und wenn's wie sie sagen, nur halb so schlimm war
dann nur keine Angst, denn dann kann's für sie ja
auch nur halb so schlimm werden ... die reinste Kaffeefahrt, Jungs
in einiger Entfernung von dieser Szenerie
war ne größere Herde von Säuen auf der Weide, hoch über'm See
Text & Musik: Danny Dziuk
© Hammer Musik GmbH
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