Himmelfahrt

Wer nicht mehr kann, der zählt schon fast als Leiche,
S´ist Herrentag! Die Glatzen zeigen Seele.
Es klatschen Patrioten in die grünen Teiche
Gefüllt mit Volkslied, Schlamm und Schlick die Kehle.

Dann schäumt das Bier aus dicken, wunden Pfoten.
Die Zoten dröhnen, jeder Schuß ein Treffer.
Steh ihnen bei, mein Gott, den Schwarzen, Gelben, Roten,
Und laß sie bleiben, wo er wächst, der Pfeffer.

Dann klingen Glocken und die Straßen wanken.
Jetzt aber Schluß mit den bescheidenen Dekaden.
Wir sind zu Hause! Grölen die Gedanken.
Geschecktes Kampfhundsvolk verbeißt sich in den Waden.

Auf Pferdewagen häufen sich die Leiber.
Die Gäule, irr von Flieder, sieht man sich verneinen.
Tief in der Nacht noch stehen frierend Weiber
Vor Krankenhäusern, wo sie sittsam weinen.

Als wäre Krieg. Die Männer fern an Fronten.
So hart die Witwentrauer! Wie ein Pimmel hart.
Vertan die Küsse, die sie heut nicht küssen konnten.
S´ist Herrentag, der Tag der Himmelfahrt.

© Wenzel - mit freundlicher Genehmigung des Autors

Wenzel